Evangelisch auf Gut Eglsee und katholische Feldkapelle zum gegeißelten Heiland
Die Familie Carl Beckmann stammt bekanntlich aus Südniedersachsen, Nordhessen, Rastenburg/Masuren, Potsdam bzw. Lübben im Spreewald, Marburg, Bremen und Rheinhessen. Die Familie hat dadurch immer ein protestantisches (insbesondere auch evangelisch-reformiertes) Selbstverständnis. Gut Eglsee wurde letztlich durch die „Familie Carl Beckmann in Bayern“ zu einer kleinen evangelisch geprägten Enklave. Das war und ist im katholischen Niederbayern sehr ungewöhnlich. Seit der Gegenreformation gab es nur in der Freien Reichsstadt Regensburg evangelische Bürger. Ab 1846 wurden immer wieder private evangelische Gottesdienste in Straubing gefeiert, aber erst im Jahr 1893 wurde die Christuskirche in Straubing gebaut, die durch die Bahnhofsnähe 1945 zerstört wurde. Deshalb fuhren die Vorfahren oft mit dem Pferdefuhrwerk – oder im Winter mit dem Schlitten – ins evangelische Ortenburg bei Passau; das Grafengeschlecht der Ortenburger ist stets evangelisch geblieben.
Katholische Feldkapelle „Zum gegeißelten Heiland“ auf Gut Eglsee
Die ehemalige Feldkapelle auf Gut Eglsee wurde von Gutsbesitzer Johann Hollermayer im Jahr 1833 in Auftrag gegeben. Die Familie Hollermayer, Förg und Loichinger hatte das Gut fünf Genrationen im Besitz (1744-1879). Johann Hollermayer war ein tiefgläubiger Mensch und so wand er sich zunächst an das Bistum Regensburg. Bischof Franz Xaver von Schwäbl als auch die Straubinger Altstadtpfarrei St. Peter begrüßte das private Vorhaben in „Allergnädigster Willfährde“ auf dem „Bittstellers eigenthümlichen Grunde“. So wurden nach Bau der Feldkapelle im Jahr 1834 nicht nur regelmäßig die Heilige Messe gelesen und „pfarrliche Prozessionen“ abgehalten, sondern auch Privatandachten für den Erbauer und seiner Familie erlaubt. Auch seine Majestät, König Ludwig I., „habe die neue Feldkapelle mit dem rot eingezeichneten Türmchen als zur Ausführung geeignet“ empfunden.
Eine Kuriosität gibt es noch: Das Gut unterlag zwar der Gerichtsbarkeit der Gemeinde Ittling (erst 1972 wurde Gut Eglsee nach Straubing eingemeindet), das Kirchlein aber gehörte schon immer zur Altstadtpfarrei St. Peter.
Bis ins Jahr 1971 gab es auf dem Gut regelmäßig Andachten für die katholischen Einwohner bzw. Angestellten – insbesondere für Maiandachten und zum Erntedank. Trotz des evangelischen Glaubens der Familie Carl Beckmann, die im Jahr 1891 das Gut erworben hat, wurde die Feldkapelle von der norddeutschen Familie stets erhalten und gepflegt.
1972 musste das Kirchlein für den Straßenausbau weichen, sollte aber 10 Meter versetzt wieder aufgebaut werden. Carl Heinrich Beckmann (Carl III.) hatte den Straubinger Architekten Franz Kammel beauftragt, die Gutskapelle rückversetzt wieder zu erstellen. Dazu kam es aber nicht mehr; die Pläne wurden vom bischöflichen Ordinariat nicht weiterverfolgt.
Prof. Dr. Carl Christian Beckmann hat die Granitsäule, welche den Vorbau getragen hat, nicht nur wieder aufstellen lassen, sondern vom regional bekannten Künstler Markus Angstl (Schlossschmiede Tunzenberg) Urgetreidestelen im Jahr 2019 anfertigen lassen, um den Bezug zum Erntedank herzustellen.
Neubau Kleinkirche auf Gut Eglsee
Im Jahr 2017 wurde zudem von Prof. Dr. Carl Christian Beckmann (Carl V.) ein kleiner Runder Tisch mit der städtischen Bauverwaltung, Vertreter der beiden christlichen Kirchen, Historikern, Künstlern, Archivaren und Architekten eingerichtet, wie mit den kirchlichen Utensilien verfahren werden könnte und wie eine moderne Kleinkirche aussehen könnte. 2019 wurde beschlossen, wieder ein Gotteshaus als Andachtsraum zu errichten.
Exakte Bestandszeichnungen der Feldkapelle bilden die Grundlage für eine beziehungsreiche Neuplanung. So wurde der Grundriss übernommen und im Aufriss die Umhüllungslinie als Höhenbegrenzung gezogen. Innerhalb dieser Grenzen sollte nicht ein historisierender Wiederaufbau geplant werden, sondern ein eigenständiger kleiner Sakralbau in zeitgemäßer moderner Formensprache. Absicht ist es, die horizontale Gestaltung des Vorgängerbaus mit einer vertikal betonten Bauform weiterzuentwickeln. Die äußeren Sitzmöglichkeiten im offenen, jedoch überdeckten Bereich sind neu. Die erhaltenen zwei grünen Rundfenster werden wieder verwendet. Der kleine Andachtsraum wird öffentlich zugänglich sein und soll einen Raum der Stille bieten; aber auch kirchlichen Feiern jedweder Konfession offen stehen. Besonders im Mittelpunkt steht natürlich der Erntedank. Die Materialgebung und Farbgestaltung bleibt dabei großteils angelehnt an die ehemalige Feldkapelle. Der Neubau soll im Jahr 2027/2028 vollzogen werden. Der Bauantrag wurde bereits genehmigt. Architekt ist Herr Dipl. Ing. Friedrich Herr.
