Der Dampfpflug kommt!

Die erste spektakuläre Maschine, die auf Gut Eglsee erprobt wurde, war der Dampfpflug.

Carl Phillip Paul Beckmann brachte diese landwirtschaftliche Innovation schon aus seiner nordhessischen und niedersächsischen Heimat mit nach Bayern. Denn auf den Rittergütern an der Elbe wurden bereits 1871 diese gewaltigen Dampfmaschinen eingesetzt. 1892 wurde so ein erstes Gespann auf Eglsee erprobt. Dazu wurde der Dampfpflug dem „befreundeten“ Humboldtgut in der Goldenen Aue (südlich des Harz)  lediglich ausgeliehen und mit der Eisenbahn bis direkt nach Eglsee geliefert, wo eigens eine Rampe zum Verladen am Bahnübergang ins Königreich eingerichtet worden war. Diese Erprobungen auf den Lössterrassen im Gäuboden sorgten im Herbst immer für derart viel Aufruhr, dass tausende Menschen aus den umliegenden Orten nach Eglsee kamen, um das schwarze Ungeheuer zu bestaunen. Der Dampfpflug war die erste große maschinelle Innovation in der Landwirtschaft.

Parallel entstand die 1. Regensburger Dampfpfluggesellschaft, die primär durch die Adelshäuser, insbesondere durch die Fürsten Thurn und Taxis, initiiert worden sind. Die Bayerische Dampfpflug-Genossenschaft wurde dann erst 1912 gegründet. Hier „durften“ dann auch die nichtadeligen Gutsbesitzer eintreten. Carl II. engagiert sich dort im Aufsichtsrat; Carl Heinrich (Carl III) im Vorstand.

Im Jahr 1847 wurde erstmals ein Dampfpflug in England eingesetzt. Diese Pionierleistung wurde von dem Briten John Fowler erbracht. Ein arbeitsfähiger Dampfpflug-Satz bestand zumeist aus zwei selbstfahrenden Lokomotiven, die mit einer horizontal unter dem Dampfkessel angeordneten Seilwinde ausgestattet waren. Zu dem Equipment gehörten weiterhin ein Kipp-Pflug, ein Mannschaftswagen, zwei Wasserwagen und acht Maschinisten. Beim Dampfpflügen wurde mittels der Seilwinden der Pflug über das Feld gezogen. Die Pfluglokomotiven selbst bewegten sich nur über die Wege am Feldrand. Auf dem Pflug saßen zwei Mann, ein Lenker und ein Gehilfe zum Einsetzen und Kippen des Pfluges. Diese Innovation in der Agrarwirtschaft ermöglichte somit eine bodenschonende Bearbeitung der Äcker und ersetzte das mühsame Pflügen der Felder mit Ochsen und Pferden.

In Deutschland war es der schwäbische Ingenieur Max Eyth, der dem Dampfpflug zum Durchbruch verhalf. Hierzulande erfolgte der erste Einsatz 1868 in Blumenberg bei Wanzleben. Die Firma A. Heuke in Gatersleben bei Halberstadt spezialisierte sich auf den Bau dieser Dampfmonster. Die technischen Daten der Geräte sind beeindruckend: Jede der beiden selbstfahrenden Lokomobile ist vier Meter hoch und über acht Meter lang. Sie wiegen jeweils 23 Tonnen und leisteten ursprünglich 280 PS bei 18 bar Betriebsdruck. Die Seillänge beträgt knapp 600 Meter. Der jeweils 5-scharige Kipppflug, der zwischen den Dampfmaschinen hin und her gezogen wird, ist 12 Meter lang und hat ein Gewicht von fünf Tonnen. Stündlich verbraucht das Gespann 140 Kilo Kohle und ca. 800 Liter Wasser. Der Arbeitstag konnte bis zu 12 Stunden dauern, begann in der Regel um 6 Uhr morgens und reichte manchmal bis nach Einbruch der Dunkelheit, auch an Wochenenden.

Die kapitalintensiven Maschinensätze befanden sich in Deutschland meist auf den Gutsbetrieben und Rittergütern in Ostpreußen, Anhalt, Niedersachsen oder der Kölner Bucht. Da ein derartiges Gespann 300.000 Goldmark kostete (heute umgerechnet 3 Millionen Euro), wurde selbst auf den Großbetrieben kein Gespann nur für den Eigengebrauch angeschafft.

Dieser Dampfpflug-Genossenschaft pflügte bis 1964 z. B. auf den Gütern des Fürsten (Pürklgut, Gut Kreuzhof, Gut Oberheising, Gut Hellkofen, Gut Harthof etc.) auf Gut Schafhöfen (Freiherr von Moreau), Gut Puchhof (Carl von Lang), Gut Makofen/Gut Irlbach (Graf Bray/Generalpächter Dr. Ackermann) und auf Eglsee. Grund für die Aufgabe des Pflügens war eine Anordnung des Innenministeriums, dass die Dampfpflüge nicht mehr auf der Bundesstraße 8 fahren durften. Die drei Dampfpfluggespanne der Regensburger Genossenschaft sind noch heute erhalten und stehen im Deutschen Landwirtschaftsmuseum in Stuttgart-Hohenheim, beim Verein der Historischen Dampftechnik in Kirchheim/Teck und in der Landmaschinenschule Landshut-Schönbrunn.

Publikation: Maximilian Wenk: Erfolgsdeterminanten radikaler Innovationen der Landtechnik, (Beispiel Gutsbetriebe im Gäuboden und Gut Eglsee), Universität Innsbruck/Management Center, 2018.
(einsehbar in der Bayerischen Staatsbibliothek, Straubinger Stadtbibliothek und Gutskontor Eglsee)