Milchbar Straubinger Stadtturm

Elisabeth Beckmann (auch Lisbeth oder Liz genannt) gründete nicht nur das Milchwerk Straubing, sondern erstmals 1910 ein Milchgeschäft in Straubing. Zunächst bezog sie in der Zollergasse 8 Räumlichkeiten, später dann Am Platzl 5 direkt neben der Veitskirche.

Die aus der hessischen Mühlendynastie Klingelhöfer-Amend stammende Elisabeth wurde am 18. Januar 1884 in Marburg geboren. Ihre Vorfahren waren Besitzer der Mühlenwerke Wetzlar/Lahn, Dorlar/Lahn und der Aumühle, die am Zusammenfluss der Wetschaft mit der Lahn in Oberhessen liegt. Insbesondere ihr Vater Heinrich Carl Klingelhöfer-Amend und ihr Großvater Caspar Heinrich Klingelhöfer waren Vordenker und Visionäre im modernen Müller- und Mühlenwesen. Unterschiedlichste Unterlagen sind noch heute im Hessischen Staatsarchiv in Marburg einzusehen. Nach der Ausbildung und höheren Handelsschule lernte sie bei einer Versammlung des hessischen Grundbesitzerverbands Carl Eugen Beckmann kennen, der aufgrund seiner Vorfahren in Nordhessen bei dem hessischen Verband zu Gast war. 1908 folgte dann die Heirat mit dem Diplom-Landwirt. Nachdem ihr ältester Sohn Carl Heinrich den Gesamtbetrieb in Eglsee übernahm, war sie es, die den beiden weiteren Söhnen Friedrich Wilhelm Otto die Mühlenwerke Gleiwitz in Oberschlesien als auch Max Franz Carl die Voglmühle im unterfränkischen Reuchelheim kaufte. Das Mühlenwesen war durch Elisabeth ein wichtiger Bestandteil in der Familie Carl Beckmann in Bayern geworden.

Elisabeth errichtete zunächst auf dem Gut eine Milchverarbeitungsanlage und Milchkammer sowie später eine Bäckerei mit modernen Hochgetreidesilos ein. Gleichzeitig eröffnete sie die sog. Milchbar in Straubing. Dort wurden dann die direkt am Hof produzierten Milchprodukte verkauft. Nach Bedarf wurden auch Brot, Eier und im Herbst Wild angeboten. Letztlich war es ein Laden mit ausschließlich regionalen Produkten, die ohne Konservierungsstoffe oder gar Geschmacksverstärker produziert wurden – heute würden die Waren als Biolebensmittel deklariert. Die Anlieferung organisierte sie mit Helene Bredl, die ihr am Hof und im Geschäft eine wichtige Stütze war.

Sie wollte mit den Straubinger Bürgern in Kontakt kommen und stand jede Woche selbst im Verkaufsgeschäft, das meist an zwei halben Tagen in der Woche geöffnet war. Ihr war es dabei ein großes Anliegen die bedürftigen Menschen in und nach den beiden Weltkriegen mit Milch und Brotwaren zu versorgen. Dabei verschenkte sie große Teile Ihrer Waren.

Elisabeth liebte Rosen (sie legte unterschiedlichste Rosengärten auf Eglsee an), kümmerte sich um die Belegschaft und Familie sowie die vielen Gäste auf dem Gut – damals lebten bis zu 200 Menschen auf dem Hof. Stets war sie die gute Seele und Ansprechpartner für alle. Sie verwirklichte auch den Bau des Herrenhauses am See. Sie verstarb im Alter von 90 Jahren am 24. Mai 1974.

In der Familienchronik ist über sie u.a. vermerkt: „Sie war eine großartige Persönlichkeit und hatte stets einen gütigen und menschenfreundlichen Charakter“.