Professorenstein Gut Eglsee
Am 24. Oktober 2025 wurde im Rahmen der 11. Nachhaltigkeitswerkstatt der Professorenstein Gut Eglsee errichtet. Dieser ist dem Familienmitglied Professor Doktor Johann Beckmann, einem norddeutschen Verwandten der Familie Carl Beckmann in Bayern gewidmet, der ein herausragender Geisteswissenschaftler und Forschungsreisender sowie Begründer der modernen Agrarwissenschaften im Zeitalter der Aufklärung war.
In der Familie gilt Johann Beckmann bis heute als Vorbild und Bezugspunkt für das eigene Handeln und steht für den unablässigen Willen, Innovationen umzusetzen. Dabei sollen diese Weiterentwicklungen und deren Umsetzung stets allen Menschen zu Gute kommen und aller Wohlstand mehren.
Das Kunstwerk südlich des Gutshofes wurde von dem holländischen Künstler Marcel Manche aus Padling gestaltet und stellt das Ineinandergreifen von Technik bzw. Technologie und Landwirtschaft her.
Professor Doktor Johann Beckmann
Johann Beckmann wurde am 4. Juni 1739 im niedersächsischen Hoya geboren. Er besuchte die örtliche Lateinschule und legte sein Abitur in der Hansestadt Stade ab. Anschließend studierte er Theologie, Mathematik, Physik sowie Naturlehre in Göttingen. Dort absolvierte Johann auch umfangreiche Exkursionen u. a. nach England, Portugal und Osteuropa. 1763 wurde er als Professor der Physik und Naturgeschichte nach Sankt Petersburg berufen. Zu dieser Zeit war er auch Schüler von Carl von Linne in Uppsala/Schweden. 1766 wurde er dann zum Professor für Weltweisheit an die Georg-August-Universität Göttingen berufen; später auch noch zum Professor für Ökonomie.
Einführung der Warenkunde und Wissenschaft der Technologie
Als Professor wurde er besonders geschätzt, da er in der Ökonomie theoretische Ansätze mit der Praxis verband und veranschaulichte. Er war somit einer der Begründer der Warenkunde und strukturierte bzw. klassifizierte alle landwirtschaftlichen Grundsätze.
Die größte Leistung Johanns war allerdings die Begründung der Wissenschaft von der Technologie. Dabei systematisierte er handwerkliche Tätigkeiten nach technischen Prinzipien, um mit Hilfe von diesen Arbeitsschritten abzubilden, effizienter zu gestalten und zu vereinfachen. Mehrere Lehrbücher wurden zu deutschen Standardwerken seiner Zeit. Seine Methodik galt als derart profund, dass Studenten aus ganz Europa bei ihm die Vorlesungen besuchten – unter ihnen auch Alexander von Humboldt.
Mitgliedschaften von Professor Beckmann
Johann Beckmann war seit 1762 Mitglied der Freimaurerloge in Leiden in Holland. Im Alter von 31 Jahren wurde er bereits in die Königliche Akademie der Wissenschaften in Göttingen berufen – so jung wie kein anderer vor ihm. Dort hielt er auch umfangreiche Vorlesungen zu den Grundlagen der Technologie und organisierte Exkursionen für Wissenschaftler aller Fächer. Im Jahr 1771 wurde er sodann in die Gelehrtengesellschaft der deutschen Leopoldina in Halle an der Saale aufgenommen. 1809 wurde er zudem zum auswärtigen Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und im gleichen Jahr zum korrespondierenden Mitglied der Königlich Niederländischen Akademie der Wissenschaften gewählt.
Johann Beckmann war es stets sehr wichtig, interdisziplinär zu forschen und die Kommunikation untereinander zu suchen – auch weit über die Grenzen seines Tätigkeitsfeldes und des mittel- und norddeutschen Raumes hinweg. Am 3. Februar 1811 verstarb er in Göttingen.
Gut Eglsee im Oktober 2025
Prof. Dr. Carl Christian Beckmann
Quellen: Universitätsarchiv Göttingen, Niedersächsisches Staatsarchiv, Universitätsbibliothek Göttingen, Hausarchiv Carl Beckmann in Bayern
